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TechnologieContor im Handelsblatt

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Handelsblatt 19.10.2004 – Nr. 203 Deutschland & Europa

Gründungsberatung des Staats läuft mäßig

Viel Geld zieht manches Mal wenig Output nach sich

eve DÜSSELDORF. Staatliche Bemühungen um Gründungs-unternehmen verfehlen oft ihr Ziel. Zwar hat die Bundes-regierung erklärt, Innovationen kleiner Unternehmen und Forschungseinrichtungen schneller auf den Markt bringen zu wollen; daher fließen jährlich viele Millionen Euro in die Technologie- und Gründungsberatung. Doch der Erfolg ist zweifelhaft. „Oft werden mit staatlichen Mitteln Leute mit Ideen wie in einer Kinderstube gefördert, die es im freien Markt gar nicht schaffen würden“, sagt der Direktor des Instituts für kleine und mittlere Unternehmen, Jörn A. Meyer.
Oft erweisen sich Fördergelder als falsch platziert, weil die staatlich geförderten Beratungsstellen infolge schlechten Wirtschaftens oder fehlender Folgeaufträge nach Auslaufen der Förderung Pleite gehen – so etwa die Landesinitiative Bio-Gen-Tec NRW, die auch für das Land die Verteilung der Preisgelder aus dem Bioregio-Wettbewerb übernommen hatte. Infolge dieses Wettbewerbs wurden im Bereich Biotechnologie förderungswürdige Standorte ausgewählt. Die Bio-Gen-Tec ist inzwischen in Liquidation. Und alle Akteure, die den ehemaligen Chef, Hartmut Thomas – früher Referatleiter im Wissenschaftsministerium von NRW – als Ansprechpartner erlebt hatten, müssen sich an die Nach-folgeorganisation, die 2003 gegründete Life Science Agency NRW (LSA), wenden.
Doch Insider bezweifeln, dass es LSA besser gelingen wird, Gründer in dem komplizierten Bereich der Life Sciences (Pharmazie, Medizintechnik und Biotechnologie) zu beraten. „Zur erfolgreichen Gründung gehört es, privates oder staatliches Venture-Capital zu generieren. Das ist auch nach wie vor möglich, doch dafür sind neben guten Kontakten zu staatlichen Stellen, einer hohen Professionalität des Grün-dungsteams und einem hervorragenden Businessplan vor allem umfangreiches Wissen über den Kapitalmarkt und gute Kontakte zu allen Geldgebern nötig“, sagt die Chefin des Beratungsunternehmens TechnologieContor, Merle Fuchs. Bei der Life Science Agency NRW erfolgt der Kontakt zu den Investoren mangels eigenen Know-hows über externe Gutachter – Kritiker sehen hierin einen überflüssigen Zwischenschritt, der zusätzliche Kosten verursacht. LSA-Hilfe erhalten die mittelständischen Firmen dagegen beim Ausfüllen von staatlichen Förderanträgen.

Ernüchterndes Fazit für das Cäsar-Projekt

Ein weiteres Beispiel dafür, dass der Staat für viel Geld wenig Output erzielt, ist die Förderung der 1999 gegründeten Stiftung Cäsar, des Prestigeobjekts des Bonn-Berlin-Ausgleichs. Mit 350 Mill. Euro Stiftungskapital hatte der Bund die Stiftung ausgestattet – weitere 30 Millionen kamen vom Land NRW –, damit diese etwa anwendungsreifen Entwicklungen den Weg auf die globalen Märkte erleichtern soll. Doch nach vier Jahren zog der Wissenschaftsrat des Bundes, der das staatlich geförderte Projekt beurteilen sollte, das Fazit: „Der Transfer von Forschungsergebnissen und Patenten ist unzureichend.“
Weitgehend ohne staatliche Einmischung, aber dafür erfolgreicher behaupten sich die anderen beiden Gewinnerregionen des Bioregio-Wettbewerbs, Heidelberg und München. Hier beraten private Unternehmen – in Heidelberg die Heidelberg Innovation GmbH und in München die BioM-AG, junge Biotechnologiegründer – und statten sie gleichzeitig mit Venture-Capital aus.

Anmerkung von Dr. Merle Fuchs zum Artikel des Handelsblattes vom 19.10.2004

Eine kritische Betrachtung des Themas Gründungsberatung halte ich für sehr wichtig und schließe mich der Kernaussage, dass viel Geld manchmal wenig Output nach sich zieht, an. Dennoch sind die Informationen des Artikels leider unvollständig. Zweifellos stellen die BioM AG und die Heidel-berg Innovation GmbH Erfolgsmodelle für die Förderung von Hochtechnologie dar. Aber selbst beim Aufbau der BioM AG sind umfangreiche Fördermittel von Bund und Land geflossen und Teile des verfügbaren Beteiligungskapitals stammen aus Landesmitteln; ähnliches dürfte auch für Heidelberg Inno-vation gelten.

Ich glaube nicht, dass die Förderung junger Technologie-unternehmen in größerem Umfang in Deutschland derzeit ohne staatliche Förderung möglich ist. Gründe dafür sind nicht zuletzt der hohe Informations- und Kapitalbedarf für die Errichtung wachstumsstarker innovativer Technologie-unternehmen. Beide Lücken können die Gründer selten aus eigener Kraft schließen und benötigen bereits in einer sehr frühen Phase gute Branchen- und Investorennetzwerke, die regional von zahlreichen staatlich geförderten Gründer-initiativen erfolgreich etabliert wurden. Staatliche Gründungs-initiativen haben die Aufgabe, einen Heuhaufen zu betreuen, um möglichst viele Stecknadeln zu finden – private Initiativen ziehen wie ein Magnet die größten Stecknadeln an sich und lassen den Rest zusammen mit einem Haufen Heu liegen. Bei vielen Gründungskonzepten zeigt sich aber erst nach längerer Gründungsvorbereitung, dass es sich nicht um Katzengold handelt, sondern die Idee Gold wert sein kann.
Selbstverständlich sollten alle Förderkonzepte regelmäßig überprüft werden und BioM sowie Heidelberg Innovation zeigen, dass die Nähe zur Wirtschaft eine wesentliche Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg der Gründungsberatung darstellt, aber für ein Großteil der von mir betreuten Unternehmen, die auch privates VC-Kapital eingeworben haben und auf internationalen Wachstumsmärkten erfolgreich sind, wäre der Unternehmensaufbau ohne staatliche Förderung unmöglich gewesen.

Mit herzlichen Grüßen aus Thüringen

Dr. Merle Fuchs

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